Glocken

Die Glocken
(mit Auszügen aus der Chronik und den Rechnungsbüchern)

Über die Orgelempore gelangt man in den Turm, wo sich jetzt noch eine über 485 Jahre alte Bronzeglocke befindet. Sie ist damit älter als der heutige Kirchenbau. Sie wurde 1521 von Brant Beddingk gegossen, worauf der Lilienfries über der Glockeninschrift, sowie ein Laubstab darunter hinweisen. Die Inschrift am Glockenhals lautet: defunctos plango vivos voco fulgura frango anno domini M CCCCC XXI iar (Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich im Jahre des Herrn 1521). Zur Verzierung der Glocke sind auf der einen Seite Maria mit dem Christuskind und daneben der Hl. Mauritius, auf der anderen Seite die Hl. Barbara in einem weiten Gewand mit einem Gefäß in der Hand dargestellt. Die Glocke hat einen Durchmesser von 86 cm und wiegt 675 kg. Diese Glocke kam nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Cobbel nach Angern im Tausch gegen eine kleinere Glocke und einer Ausgeleichszahlunt von 37 Talern.

Bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg besaß Angern mindestens zwei Glocken, da berichtet wird, daß zwei große Glocken beim Brand 1626 zerschmolzen sind. Danach hing eine Glocke auf dem Kirchhof. Es wird angenommen, daß es die heute vorhandene Glocke war. Bereits 1686 hingen wieder zwei Glocken in Turm, wie anläßlich der Kirchenvisitation festgestellt wurde, ”wovon die kleinste von dem Seel. Herrn Hauptmann Henning Christoph von der Schulenburg der Kirche verehrt worden, die Größeste praetendirt die lobliche Gemeine.”

Die kleine Glocke zersprang 1773 und wurde von C.G. Ziegner in Magdeburg auf Kosten der Kirchenkasse um gegossen. An der Flanke trug sie nun die Inschrift :”Alexander Friedrich Christoph Graff von der Schoulenbourg Kaiserl. königl. Obrister ueber ein Regiment Cavallerie” Mit 70 cm Durchmesser und 210 kg Gewicht war sie deutlich kleiner, obwohl beim Guß noch 1 Ztr. Metall hinzugefügt worden war.

Diese Glocke mußte im ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Am 1817 wurde sie von Zimmermeister Katzenellenbogen und abgenommen. Aus Spenden der Gemeinde (752 RM) wurde 1927 eine neue Glocke beschafft, die von der Firma Franz Schilling Söhne in Apolda gegossen worden war. Mit 224 kg war sie etwa so groß wie die vorige und trug die Inschrift:

Den Gefallenen zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung und darunter den von Graf Sigurd von der Schulenburg verfaßten Vers

Meiner Schwester friedlich Läuten Himmelslohn sei mir beschieden, Starb in Schlachtengraus und -schmerz, Die aus Opfern ich erstieg! Für des Landes Ruhm zu streiten, Läuten will ich Gottes Frieden, Schmolz dahin ihr tönend Erz! Gottes Streitern Ruhm und Sieg!

Nach wenigen Jahren fiel diese Glocke dem nächsten Krieg zum Opfer.

Folgend sind anmerkungen aus den Rechnungsbüchern:

Aus der Kirchenrechnung von 1716 : Der Glockengießer in Magdeburg Johann Gotfried Wentzel erhielt für 2 ½ Ctr. 46 lb á 34 thl an Glockengut, welches er beim Umgießen der alten zerborstenen Glocke nach Abzug von 38 thl 15 gr 3 Pf an 1 C.. 15 lb dazugetan bar 60 thr. 14 gr. und 3 ½ Taler Gießerlohn, dazu für Wachs und Talg 9 ½ Taler

Der Wenddorfsche Müller Christian Dose für die kleine ..rolle, worin diese Glocke gehangen den Gießer nebst seinem Reeb (?) von Magdeburg holen u. wieder hinbringen 1 Thl. 8 gr er hat nebst den Gesellen für 1thr. 17 gr. verzehrt

Im Rechnungsjahr 1.4.1910 - 31.3.1911 Glockenreparatur Gebrüder Ulrich-Laucha für Glockenreparatur 158,20
dazu Porto u. Botenlohn 2,35
Zimmermeister Katzenellenbogen f. Arbeit dabei 44,65
Schmiedemeister Ihlefeld 53,15
Schmiedemeister Schulze für einen Klöppel 10,00
268,35
1917 Abnahme der kleineren Glocke zum Einschmelzen, dazu Nebenkosten
Katzenellenbogen für das Herabnehmen 30,-
Bowe für ein Schild an der Glocke 0,50
Schmied Schulze 1,50
August Müller f. Arbeit am Schalloch 2,00
Vergütung für den Metallwert einschl einer staatl. Prämie 1051,65 Mark

Kirchendiener Lampe hat erklärt, dass es ihm weiterhin unmöglich sei , täglich mittags und abends zu läuten, da er zugleich Feldhüter sei, und Diebe die Zeit des Läutens ausnutzten.
Der GKR bedauert es, will aber das Läuten einstellen lassen, wenn L. absolut dazu keine Möglichkeit sieht.
(Protokoll GKR, 16.1.1921)

die 2. Glocke 1927 Sie musste im zweiten Weltkrieg leider für Rüstungszwecke zur Verfügung gestellt werden.
In Pfarrer Rathmanns Amtszeit wurde aus Spenden der Gemeinde 1927 eine 2. Glocke angeschafft und feierlich eingeweiht.
Gegossen wurde sie bei der Firma Franz Schilling Söhne in Apolda. Sie fiel dem 2. Weltkrieg zum Opfer.

1930 wurde bei Feueralarm noch mit der großen Glocke geläutet.
(Protokoll GKR 5.5.1930)

1935 wurde vorgeschlagen, das Abendläuten wieder einzuführen.
Der GKR meinte, es hätte nur Sinn, wenn die Bauern dann mit der Arbeit aufhörten.
Der Kirchendiener wollte es für 2,50 M monatlich übernehmen. Die Entscheidung wurde der GV überlassen
(Protokoll GKR 27.2.1934)

1969 wurde die elektrische Läutanlage installiert.

1998 ließ die Kirchengemeinde Angern in Brockscheid / Eifel eine kleine Glocke für den Uhrschlag gießen, um die wertvolle alte Glocke zu schonen.
An Feiertagen wird sie zusammen mit dieser geläutet.

Am 6. Dezember 1998 wurde eine neue, elektronisch gesteuerte Läuteanlage in Betrieb genommen. und eine eigens für unseren Turm gegossene Uhrschlagglocke konnte der Gemeinde vorgestellt werden.